Chemieexkursion

Es ging schon früh nach der ersten Schule los und wir kamen nach einer relativ kurzen Busfahrt in Schkopau an. Dort wurden wir von einem Mitarbeiter der Firma DOW bereits erwartet und erfuhren, dass es diese Bezeichnung erst seit einem Tag gab. Bis dahin hieß sie „DOW Olefinverbund GmbH“.

Es folgte eine Rundfahrt über das ausgedehnte Firmengelände. Dabei erfuhren wir Vieles über die chemischen Prozesse im Werk, die wir teilweise (theoretisch) aus dem Chemieunterricht kannten. Es werden hauptsächlich Ethylen und Propylen, die aus dem Cracker der Erdölverarbeitung im Werk Böhlen bezogen werden, aber auch aus heimischer Braunkohle hergestellt werden können,  zu Kunststoffen verarbeitet. Einige davon waren uns schon bekannt und mit den daraus hergestellten Produkten haben wir z.T. täglich zu tun. Beispiele sind Polystyrol für Dämmplatten, Polypropylen (PP) für Gartenmöbel oder Jogurtbecher, Polyethylen (PE) für Lebensmittelverpackungsfolien oder Kabelisolierungen und Polyethylenterephthalat (PET) für Kunststoffflaschen. Als größter Kunststoffproduzent in Ostdeutschland liefert DOW das Material, das nicht vor Ort verarbeitet wird, als Granulat an andere Firmen. In anderen Abteilungen werden aber auch z.B. Chlor und Natronlauge aus Salz, Dispersionspulver für Farben oder Anilin für die Herstellung von Bauschaum oder Schuhsohlen erzeugt. Die benötigte Elektroenergie und Wärme werden in einem eigenen Kraftwerk auf dem Betriebsgelände auch aus Braunkohle der MIBRAGmbH, die in unserer Region gefördert wird, gewonnen. Viele kennen die langen Kohlezüge, die von hier nach Schkopau fahren.

Wir erfuhren auch, dass DOW im Fraunhoferzentrum Forschung zu neuen Materialien und Herstellungsverfahren betreibt. Mit TRINSEO gibt es außerdem eine Versuchsanlage, in der synthetischer Kautschuk (für Gummi) aus Löwenzahn hergestellt wird.

Interessant waren für uns außerdem die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten, so z.B. zum Elektroniker, Chemielaborant, Industriemechaniker oder Mechatroniker. Nach dem 1. Lehrjahr kann man sich auch für ein duales Studium entscheiden.

Anschließend fuhren wir weiter nach Merseburg, wo wir im Schülerlabor Experimente zum Thema „Kunststoffe“ durchführen konnten. Da ich schon einmal dort war, kannte ich das Labor schon. In Zweiergruppen verglichen wir beispielsweise die Wärmeabgabe beim Verbrennen verschiedener Kunststoffe (siehe Foto), stellten einen umweltfreundlichen Plastikersatz aus Stärke her und lernten wasserlösliche Folie kennen, die sich wiedergewinnen lässt. Insgesamt gab es ungefähr zehn vorbereitete Stationen.

Ich fand das Praktikum sehr interessant und kann es nur weiterempfehlen. Schade war nur, dass man auf Grund der Zeit nicht jedes Experiment schaffen konnte, da wir am frühen Nachmittag zurückfahren mussten, um in Hohenmölsen die Schulbusse zu erreichen.

John Cisnik (Klasse 9a)
Kerstin Dierichen (begleitende Lehrerin)