Exkursion zur Gedenkstätte Buchenwald

Fragen. Begegnen. Erinnern. Ein Gedenkstättenbesuch der neunten Klassen

„Unser Herz muss die Welt
der Vernunft kennen, und die
Vernunft muss sich
von einem wissenden Herzen leiten lassen.“
(Aussage eines KZ-Überlebenden, 1945)

Was ist ein Konzentrationslager? Wer waren die Inhaftierten und Häftlinge? Wie kann ein Alltag in einer solch unmenschlichen Situation ausgesehen haben? Was wurde den Menschen angetan? Warum? Um diesen Fragen der neunten Klassen des Agricolagymnasiums Hohenmölsen Raum zu geben, entschied sich die Fachschaft Geschichte auch in diesem Jahr zu einer besonderen Form des Geschichtsunterrichts. Eine Exkursion in eine Gedenkstätte: als Möglichkeit, Geschichte zu erfahren, Einzelschicksale zu erforschen und Wege zu beschreiten, welche Menschen verbunden, entzweit, leben, vor allem aber hat sterben lassen.

Die Gedenkstätte Buchenwald symbolisiert hierbei einen Gedenk-und Historienort der besonderen Art. Im Juli 1937 von der SS auf dem Ettersberg bei Weimar errichtet, stellte das Konzentrationslager Buchenwald eine weitere Form der Totalisierung und diktatorischen Reichweite des Nationalsozialismus dar, um politische Gegner, Juden, Sinti und Roma sowie "Gemeinschaftsfremde", unter ihnen Homosexuelle, Wohnungslose, Zeugen Jehovas und Vorbestrafte dauerhaft zu inhaftieren, zu quälen, zu terrorisieren und schließlich in den Tod zu treiben. Die Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse hatten am 05.03.2019 die Möglichkeit im Rahmen einer Ganztagesexkursion mehr über das ehemalige Konzentrationslager zu erfahren. Nach einer pädagogischen Führung über das Gelände und der Begegnung verschiedener, von der Gedenkstätte auch als „Täterorte“ deklarierte, Bereiche erfuhren die Jugendlichen mehr über Einzelschicksale sowie den Aufbau und „Alltag“ des Lagers. Hierbei waren vor allem die so kontrastreichen, unerwarteten Orte wie der Bärenzwinger, der allein zur Freizeitgestaltung der SS-Kommandaten zur Verfügung stand in den Augen der Lernenden ein kaum nachvollziehbares Moment. Ein Leben voller Freude, Spaß und persönlicher Zufriedenheit im Antlitz der Rauchschwaden des Krematoriums ließen Geschichte und vor allem diese Geschichte nachhallen. In anderen Momenten, so etwa in der alten Bunkeranlage oder auf dem Carachoweg entwickelten sich stetig weitere Fragen, aber auch Antworten, Emotionen, aber auch Distanz. Die drei pädagogischen Mitarbeiter wählten hierbei ganz individuelle Wege, Fotografien, Einzelberichte, Videomaterial, etc. einzusetzen, um den Lernenden Ebenen der Information, aber auch Reflexion zu geben. Angereist mit der zentralen Frage „Warum“, war es den neunten Klassen schließlich auch durch die Ausstellung mit authentischem Quellenmaterial (Kleidung, Geschirr, Fotografien, Zeichnungen, Propagandaplakate, Zeitzeugenberichten etc.) möglich, einen Zugang zu Antworten zu finden. Das Lernen über Menschen von Menschen, das Bewusstsein von Geschichte und das Wertschätzen des Erinnerns bildeten schließlich einen Schlüsselmoment.

In Gruppen und Gesprächskreisen hatten die Jugendlichen auch am Ende des Tages noch unzählige Fragen, aber waren sich in einem Gedanken einig: die Erinnerung und das Weitergeben von Geschichte als Fundament unserer Gesellschaft. In der Auswertung in den darauffolgenden Tagen und Wochen wird den neunten Klassen nach und nach die besondere Verantwortung von jedem Einzelnen bewusst: jeder Einzelne unserer Schule, unserer Ortschaft, unseres Landkreises, unseres Landes, ja unserer Welt sollte, so die Schülerinnen und Schüler in einer Meinungsrunde innerhalb des Unterrichts Kraft, Mut und Zeit für die demokratische Zukunftsgestaltung aufbringen.
Die begleitenden Lehrkräfte Herr Kretzschmar, Herr Hofmann und Frau Könitzer sowie die gesamte Fachschaft Geschichte bedanken sich bei der Gedenkstätte Buchenwald, aber auch bei den neunten Klassen für diesen besonderen Moment der Horizonterweiterung.